Mit großer Trauer nimmt der Landesinnungsverband Friseure & Kosmetiker Bayern Abschied von seinem Ehrenmitglied Richard Bechinger. Richard Bechinger verstarb am 5. Oktober 2026 im 83. Lebensjahr nach schwerer Krankheit. „Er hat das bayerische und deutsche Friseurhandwerk über viele Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt, wir haben ihm viel zu verdanken“, würdigt Landesinnungsmeister Christian Kaiser den Verstorbenen. Als Obermeister der Friseur-Innung München, Vorstandsmitglied des Landesinnungsverbands Bayern und engagierter Berufsbildungsexperte setzte er sich mit großer Fachkenntnis, Weitblick und persönlicher Überzeugungskraft für die Zukunft des Friseurhandwerks ein.

Richard Bechinger begann sein berufspolitisches Engagement schon früh: Ab 1972 war er Mitglied im Gesellen- und Meisterprüfungsausschuss, letzteres mit viel Engagement auch noch im beruflichen Ruhestand. Von 1978 bis 1987 gehörte er dem Berufsbildungsausschuss sowie dem Vorstand der Friseur-Innung München an. Am 1. Dezember 1987 übernahm er das Amt des Obermeisters.

Seit 1990 war Bechinger Mitglied im Vorstand des LIV Bayern, Kammerbeauftragter für Oberbayern und Delegierter zum Zentralverband. Ab 1993 leitete er den Berufsbildungsausschuss des LIV Bayern. Auch auf Bundesebene engagierte er sich im Berufsbildungsausschuss des Zentralverbands. 2005 zog er sich aus seinen Ämtern im Landesinnungs- und Zentralverband zurück. Darüber hinaus wirkte er in verschiedenen Gremien der Handwerkskammer für München und Oberbayern mit, unter anderem im Berufsbildungsausschuss und in der Vollversammlung.

Seine besondere Leidenschaft und Kompetenz galt der Berufsbildung. Richard Bechinger wusste, wovon er sprach, und verstand es, fachliche Fragen mit Weitblick und großer Sachkenntnis zu beurteilen. Er war unter anderem als Sachverständiger an der Meisterprüfungsverordnung von 2001 beteiligt und gehörte zu den Wegbereitern der Ausbildungsordnung von 2008 mit gestreckter Gesellenprüfung.

Auch als Sachverständiger im Friseurhandwerk setzte er wichtige Impulse. Ein besonderes Beispiel war das von ihm initiierte Symposium für Sachverständige im Jahr 2003 im Rahmen der Bayern Hair in Nürnberg. Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet befassten sich dort mit dem damals noch neuen Thema der Haarverlängerung und -verdichtung.

Richard Bechinger überzeugte durch eine herausragende Rhetorik und war argumentativ stark. Er vertrat seine Position klar und nachdrücklich – und konnte sich damit meist durchsetzen. Dabei blieb sein Umgang mit Kolleginnen und Kollegen sowie mit seinen Weggefährten stets von Wertschätzung geprägt, auch wenn unterschiedliche Auffassungen oder Konflikte bestanden.

Sein berufspolitisches Handeln folgte dem Grundsatz: „Wer schreibt, der bleibt.“ Er wusste um die Bedeutung klarer Positionen und verlässlicher Dokumentation. Ebenso deutlich war seine Haltung: „Nur wer jetzt laut sagt, was er will, bekommt später nicht leise, was er nicht will.“

Bei aller Konsequenz besaß Richard Bechinger auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Einen Satz, der viel über ihn aussagt, schrieb er in einen seiner Rechenschaftsberichte für die LIV-Mitgliederversammlung: „Entschuldigen will ich mich bei denen, welchen ich bewusst oder unbewusst einmal auf die Füße getreten bin. Persönlich war das nie gemeint.“

Für sein außerordentliches Engagement wurde Richard Bechinger mit der Silbernen Ehrennadel des LIV Bayern im Jahr 1986 und der Goldenen Ehrennadel des LIV Bayern im Jahr 1993 ausgezeichnet. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks ehrte ihn 2001 mit der Goldenen Ehrennadel.

Das Friseurhandwerk verliert mit Richard Bechinger eine prägende Persönlichkeit, einen engagierten Berufspolitiker und einen herausragenden Kenner der Berufsbildung. Sein Einsatz für das Friseurhandwerk, seine klaren Worte und sein weiter Blick werden uns in Erinnerung bleiben.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.