Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) gemeinsam mit Johanna Röh, Vorsitzende von Mutterschutz für Alle! e. V., bei einer Aktion für den Mutterschutz für Selbstständige vor dem Reichstag im November 2025. Hubertz war zu diesem Zeitpunkt selbst schwanger.
Foto: Juliane Hermann, Female Photoclub e. V.

Am 6. Oktober machen rund 30 Selbstständige vor dem Reichstag auf die Folgen fehlender Absicherung aufmerksam – anschließend diskutieren Fachleute, Verbände und Politik konkrete Wege zur Umsetzung.

Der Mutterschutz für Selbstständige ist im Koalitionsvertrag vereinbart. Im inzwischen bekannt gewordenen Referentenentwurf zur Elterngeldreform ist jedoch keine Regelung dazu enthalten. Damit ist aktuell offen, über welchen gesetzlichen Weg die Absicherung Selbstständiger rund um Schwangerschaft und Geburt umgesetzt werden soll. Dass an einer Lösung gearbeitet wird, hat Bundesfamilienministerin Karin Prien mehrfach deutlich gemacht. Beim 38. CDU-Bundesparteitag räumte sie dem Vorhaben hohe Priorität ein, verwies zugleich auf die komplexe Ausgestaltung und die Zusammenarbeit mehrerer Ministerien und kündigte für dieses Jahr einen Gesetzentwurf an.

Am 6. Oktober bringt Mutterschutz für Alle! e. V. in Berlin Erfahrungen aus der Praxis, Daten, Expertise und bestehende Lösungsansätze zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine gesetzliche Absicherung konkret ausgestaltet werden kann.

Wenn Schwangerschaft und Geburt zum wirtschaftlichen Risiko werden 

Wie unterschiedlich sich fehlende Absicherung auswirkt, hängt stark von Beruf und Erwerbsmodell ab. Rund um die Geburt stellt sich für alle Selbstständigen die Frage, wie eine notwendige Unterbrechung oder Reduzierung der Arbeit finanziell aufgefangen werden kann. In manchen Berufen entstehen Einschränkungen bereits deutlich früher: Körperlich belastende Tätigkeiten, Gefahrstoffe, Infektionsrisiken, bestimmte Arbeitszeiten oder eine hohe körperliche Beanspruchung können dazu führen, dass Selbstständige ihre Arbeit schon während der Schwangerschaft reduzieren, verändern oder unterbrechen müssen. Gleichzeitig können Mieten, Versicherungen, Personalkosten und andere betriebliche Verpflichtungen weiterlaufen.

Die Erfahrungen von Frauen aus sehr unterschiedlichen Branchen zeigen die Bandbreite:
Maxime Krämer führte als Tischlermeisterin eine gut laufende eigene Werkstatt. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter gab sie ihre Selbstständigkeit auf. Heute ist die zweifache Mutter Berufsschullehrerin.
Dr. Friederike Kugler ist Hausärztin und Praxisinhaberin. Bei einer Schwangerschaft geht es für sie nicht nur um das eigene Einkommen: Personalkosten, Miete und andere betriebliche Ausgaben laufen weiter, während gleichzeitig die Versorgung der Patientinnen und Patienten organisiert und gegebenenfalls eine ärztliche Vertretung gefunden werden muss.
Für die Profisportlerin Fabienne Königstein ist der eigene Körper unmittelbar Grundlage ihrer beruflichen Leistungsfähigkeit. Ihr Einkommen und ihre berufliche Perspektive hängen unter anderem von Wettkämpfen, Förderung, Sponsoring und sportlicher Leistung ab. Schwangerschaft und Geburt stellen sie deshalb vor besondere wirtschaftliche Fragen – auch weil sich Zeitpunkt und Niveau der Rückkehr in Training und Wettkampf nicht vollständig planen lassen.
Auch in der Filmbranche zeigt sich die Lücke. Schauspielerin Caro Cult verlor nach Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft eine bereits zugesagte Rolle, für die die Vorbereitungen bereits liefen. Ihr Fall zeigt das Spannungsfeld besonders deutlich: Während gesetzliche Vorgaben Schwangere bei der Arbeit schützen sollen, fehlt Selbstständigen bei einem daraus entstehenden Verdienstausfall eine entsprechende Absicherung. „Schutz, der nur verbietet, aber nicht absichert, ist kein Schutz. Er sperrt aus“, sagt Cult.

Weitere persönliche Geschichten aus unterschiedlichen Branchen und Erwerbsmodellen sind auf der Webseite des Zukunftsgipfels zusammengestellt. Für Interviews und Hintergrundgespräche vermittelt Mutterschutz für Alle! e. V. auf Anfrage Kontakte zu Gesprächspartnerinnen – sowohl aus den vorgestellten Porträts als auch darüber hinaus.

Mutterschutz für Alle! e. V.
Mutterschutz für Alle! e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die gesetzliche Absicherung Selbstständiger während Schwangerschaft und rund um die Geburt einsetzt. Der Verein bringt Erfahrungen aus unterschiedlichen Formen der Selbstständigkeit mit Politik, Verbänden und Fachwelt zusammen und entwickelt praxistaugliche Lösungsansätze für einen Mutterschutz für Selbstständige.

Bündnis Mutterschutz für Selbstständige
Das Bündnis Mutterschutz für Selbstständige vereint mehr als 60 Verbände, Kammern und Organisationen, die gemeinsam mehr als 900.000 Menschen und Betriebe vertreten. Es bündelt Perspektiven aus Wirtschaft, Gesellschaft und unterschiedlichen Formen der Selbstständigkeit und setzt sich für eine gesetzliche Absicherung Selbstständiger während Schwangerschaft und rund um die Geburt ein. Träger des Bündnisses ist Mutterschutz für Alle! e. V. Der Landesinnungsverband Friseure & Kosmetiker Bayern gehört dem Bündnis Mutterschutz für Selbstständige an.