Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder hat bei der Bayerischen Wirtschaftsnacht der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vbw am 13. Juli 2026 eindringlich für wirtschaftliche Reformen und bessere Rahmenbedingungen für den Mittelstand geworben. Im Mittelpunkt seiner Rede standen Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau, Arbeitsmarkt, Steuern und die Entlastung der Unternehmen. Nachdrücklich verteidigte Söder zudem die Minijobs. Landesinnungsmeister Christian Kaiser, der auch Vorstandsmitglied der vbw ist, und Geschäftsführerin Doris Ortlieb verfolgten die Rede aufmerksam und haben hier einen Zusammenschnitt der Aussagen Söder für den Mittelstand zusammengetragen. 

Die Grundlage für den sozialen Frieden und den Wohlstand in Deutschland sei aus Söders Sicht nicht eine stärkere Umverteilung, sondern eine leistungsfähigere Wirtschaft. „Der soziale Frieden und der Wohlstand, den wir haben, der kann nur erhalten werden, nicht indem wir glauben, einige sollen da mehr bezahlen, sondern indem wir wieder besser, leistungsfähiger und vor allem wettbewerbsfähiger werden.“

Söder verwies auf die in den vergangenen Wochen beschlossenen Reformen und bezeichnete diese als wichtigen ersten Schritt, machte aber zugleich deutlich, dass weiterer Handlungsbedarf bestehe. Gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen sei es bemerkenswert gewesen, dass trotz politischer Risiken umfangreiche Gesetzespakete verabschiedet worden seien. „Vor allen Wahlen und vor schwierigen Wahlen haben wir in den letzten zwei Wochen einen Riesen-Kraftakt unternommen“, sagte der Ministerpräsident.

Besonders hob Söder die Reformen im Sozialbereich hervor. Beim Rentensystem müsse Deutschland sich den demografischen Veränderungen stellen. Die Zeit immer neuer Frühverrentungsmodelle gehe zu Ende. „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, etwas länger und mehr zu arbeiten“, erklärte er. Das vorgelegte Rentenkonzept schaffe seiner Ansicht nach einen fairen Ausgleich zwischen den Generationen und eröffne langfristige Perspektiven.

Auch die Gesundheitsreform bezeichnete Söder als unvermeidbar. Ohne strukturelle Veränderungen drohten steigende Sozialversicherungsbeiträge und weiter wachsende Lohnnebenkosten, die insbesondere die Unternehmen erheblich belasteten. Zwar seien die geplanten Maßnahmen mit Einschränkungen verbunden und würden Diskussionen auslösen, dennoch seien Reformen notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts zu sichern.

Klare Worte fand Söder auch bei der Steuerpolitik. Er sprach sich gegen zusätzliche Belastungen für Unternehmen und Familienbetriebe aus und warnte insbesondere vor höheren Erbschaft- oder Vermögensteuern. Familienunternehmen seien „das Rückgrat unserer Wirtschaft“ und investierten ihr Kapital nicht für privaten Konsum, sondern in ihre Betriebe und ihre Beschäftigten. Deshalb sei für ihn eindeutig: „Eine Erhöhung von Erbschaftssteuern kann und darf es für unser Land nicht geben.“

Ein weiterer Schwerpunkt war der Bürokratieabbau. Zwar seien bereits erste Dokumentationspflichten reduziert worden, dennoch liege ein Großteil der Regelungen beim Bund und vor allem auf europäischer Ebene. Söder forderte insbesondere eine grundlegende Reform des Datenschutzes. „Datensicherheit ja, aber der ganze übertriebene Datenschutz, der die gesamte Arbeit und Digitalisierung lähmt, der hat unser Land nicht stärker, sondern schwächer gemacht“, sagte er. Hier seien tiefgreifende Veränderungen erforderlich.

Ebenso plädierte der Ministerpräsident für eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Wochenarbeitszeit müsse umgesetzt werden, starre gesetzliche Vorgaben seien insbesondere für Betriebe außerhalb tariflicher Regelungen nicht mehr zeitgemäß. Gerade Handwerk, Landwirtschaft, Einzelhandel und Gastronomie benötigten mehr Handlungsspielraum.

Nachdrücklich verteidigte Söder zudem die Minijobs. Solange der Arbeitsmarkt stark reguliert sei und Beschäftigten netto zu wenig von ihrem Einkommen bleibe, gebe es keinen Grund, diese Beschäftigungsform abzuschaffen. „Wir werden die Minijobs versuchen zu erhalten. Darauf können Sie sich verlassen“, versprach er den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern.

Zum Abschluss warb Söder für einen pragmatischen Politikstil. Statt öffentlicher Konfrontationen setze er auf konstruktive Zusammenarbeit und intensive Verhandlungen. Große Veränderungen seien in Koalitionen oft nur schrittweise möglich. Mit einem Fußballvergleich beschrieb er diesen Weg: „Wenn der Big Bang nicht geht, dann muss man es wie im Fußball machen – Stück für Stück, Minute für Minute. Und im Zweifelsfall über Kampf zum Spiel finden.“ Insgesamt zeigte sich der Ministerpräsident überzeugt, dass Bayern und Deutschland mit konsequenten Reformen ihre wirtschaftliche Stärke und damit auch den Wohlstand langfristig sichern könnten.

Auszüge aus der Rede von Dr. Markus Söder gibt es hier.