Die klassische Lehre allein reicht nicht mehr aus. Digitalisierung, veränderte Erwartungen der Generation Z und immer kleinere Salonstrukturen stellen das Friseurhandwerk vor neue Herausforderungen. Im Videopodcast „Hertlein & Lange“ diskutieren der stellvertretende Landesinnungsmeister und Berufsbildungsexperte Christian Hertlein, Journalist Matthias Lange sowie der Landesinnungsmeister des Landesinnungsverbandes Friseure und Kosmetiker Bayern, Christian Kaiser, über die Zukunft der Ausbildung – und machen deutlich: Wer den Nachwuchs gewinnen will, muss Ausbildung neu denken.
„Ausbildung 2.0“ steht dabei nicht für einen radikalen Bruch mit Bewährtem, sondern für eine konsequente Weiterentwicklung. „Dahinter verbirgt sich eigentlich, wie wir die Ausbildung in der Zukunft sehen, wie sie sich verändern muss, wie sie sich anpassen muss an den strukturellen und gesellschaftlichen Wandel“, erklärt Christian Hertlein. Ziel sei es, die Betriebe so aufzustellen, dass sie auch künftig erfolgreich ausbilden können.
Für Christian Kaiser ist klar, dass sich nicht nur die Auszubildenden, sondern auch die Betriebe verändern müssen. „Der Markt verändert sich, die Generationen verändern sich und ich denke schon, dass sich auch die Betriebe entsprechend anpassen müssen.“ Dabei gehe es längst nicht mehr nur um Social Media oder digitale Werbung. Digitale Technologien hielten zunehmend Einzug in den Ausbildungsalltag – von digitalen Lernplattformen über Dokumentationen bis hin zu professionellen Schnittzeichnungen, die heute selbstverständlich zu Prüfungen gehören.
Eine der größten Herausforderungen sieht der Landesinnungsverband jedoch in den sich wandelnden Betriebsstrukturen. Viele Salons werden kleiner und können allein nicht mehr alle Ausbildungsinhalte vermitteln. Genau hier setzt das Konzept der Verbundausbildung an. Mehrere Betriebe sollen künftig enger zusammenarbeiten und Auszubildenden gemeinsam alle erforderlichen Fertigkeiten vermitteln. „Nicht jeder Betrieb ist letztendlich ein Konkurrent“, betont Christian Kaiser. Vielmehr könnten spezialisierte Salons voneinander profitieren und gemeinsam für eine qualitativ hochwertige Ausbildung sorgen.
Der Landesinnungsverband versteht sich dabei als Netzwerk und Impulsgeber. Über Newsletter, Informationsveranstaltungen, Schulungen und die Innungen sollen die Betriebe für neue Wege sensibilisiert werden. Hertlein räumt allerdings ein, dass der Informationsfluss künftig noch intensiver werden müsse. „Wir müssen die Schlagzahl deutlich erhöhen, die Informationen häufiger nach außen tragen und die Leute stärker sensibilisieren.“
Neben organisatorischen Fragen rückt auch der Umgang mit jungen Menschen stärker in den Mittelpunkt. Die Erwartungen der heutigen Generation hätten sich deutlich verändert. „Die 16-Jährigen von heute sind nicht mehr die 16-Jährigen von vor 40 oder 50 Jahren“, sagt Hertlein. Junge Menschen wollten stärker eingebunden werden, benötigten Motivation, Anerkennung und eine moderne Ansprache. Auch Ausbilder müssten sich deshalb kontinuierlich weiterbilden.
Trotz aller Herausforderungen blickt die Branche optimistisch nach vorne. Die Ausbildungszahlen steigen wieder und das Friseurhandwerk gewinnt zunehmend an Attraktivität. Gleichzeitig macht Christian Kaiser deutlich, dass viele Betriebe seit Jahrzehnten hervorragende Ausbildungsarbeit leisten. Nun gehe es darum, diese noch besser zu unterstützen und weitere Salons für die Ausbildung zu gewinnen.
Ein weiteres Zukunftsthema bleibt die Nachhaltigkeit. Der Landesinnungsverband beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit umweltfreundlichen Konzepten und bringt diese zunehmend auch in die Ausbildung ein. Gemeinsam mit dem Umweltpakt Bayern und den neuen Ausbildungsrahmenplänen soll Nachhaltigkeit künftig noch stärker im Berufsalltag verankert werden.
Die Botschaft der Podcast-Runde ist eindeutig: Die Zukunft der Ausbildung entscheidet sich nicht allein in der Berufsschule, sondern in den Salons selbst. Mit neuen Kooperationen, digitalen Werkzeugen und einer modernen Ausbildungsphilosophie will das bayerische Friseur- und Kosmetikerhandwerk den Beruf fit für die nächste Generation machen – ohne dabei seine handwerklichen Wurzeln aus den Augen zu verlieren. Wie Christian Kaiser zum Abschluss selbstbewusst feststellt: „Wenn uns eins nicht fehlt, dann ist es Selbstbewusstsein.“ Dieses Selbstverständnis soll nun auch den Weg in die Ausbildung der Zukunft ebnen.
