Mit spürbarer Emotionalität und großer Sorge um ihre Branche richtet sich Doris Ortlieb, Geschäftsführerin des Landesinnungsverbandes Friseure und Kosmetiker Bayern, an den CSU-Landesgruppenchef im Deutschen Bundestag, Alexander Hoffmann. Sie macht deutlich, dass sie sich und die Berufe, für die sie einsteht, in der aktuellen Politik kaum wiederfindet. Handwerk und Kleinbetriebe, insbesondere das Friseur- und Kosmetikerhandwerk, profitierten aus ihrer Sicht zu wenig von politischen Entscheidungen. Besonders scharf kritisiert sie die wiederholten Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns. Für viele Betriebe seien diese ein Problem, das längst nicht mehr nur ihr Gewerk betreffe, sondern inzwischen auch andere Branchen erreicht habe.
Ortlieb beklagt zudem den faktischen Zusammenbruch der Tarifpartnerschaft. Wenn Löhne politisch festgelegt würden, verliere die Tarifautonomie ihren Sinn. Als Arbeitgeberorganisation könne der Landesinnungsverband seine Verantwortung nicht mehr wahrnehmen, weil es an einem Verhandlungspartner auf Arbeitnehmerseite fehle. Darüber hinaus spricht sie strukturelle Fehlentwicklungen an, die aus der Novelle der Handwerksordnung von 2004 resultierten. Die frühe Meisterprüfung ohne ausreichende Berufserfahrung führe zu Qualitätsverlusten, zu einer Zunahme von Einzelkämpfern und zu fehlender Wertschöpfung – mit negativen Folgen für die gesamte Volkswirtschaft.
Besonders emotional wird Ortlieb beim Blick zurück auf die Corona-Zeit. Sie schildert die tiefen Wunden, die die Pandemie im Friseurhandwerk hinterlassen habe. Staatlich angeordnete Betriebsschließungen, hastig aufgelegte Hilfsprogramme und die spätere Rückforderung der Corona-Soforthilfen empfänden viele Friseure und Kosmetiker als zutiefst ungerecht. Oftmals hätten Unternehmerinnen und Unternehmer ihr Privatvermögen und Rücklagen fürs Alter eingesetzt, um ihre berufliche Existenz zu retten. Dass aufgrund falscher Kriterien bei der Corona-Soforthilfe gerade jene bestraft würden, die nach der Wiederöffnung mit aller Kraft gearbeitet hätten, sei für sie bis heute nicht zu akzeptieren.
Alexander Hoffmann antwortet auf diese Kritik. Er stellt klar, dass Politik nicht den Anspruch habe, immer alles richtig zu machen, wohl aber nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden. Beim Mindestlohn verweist er auf eine jahrelange gesellschaftliche Debatte, in der er selbst stets Kritiker gewesen sei. Er argumentiert, dass steigende Mindestlöhne zwangsläufig Preissteigerungen nach sich ziehen und damit ihre soziale Wirkung relativieren. Zudem sei der Mindestlohn ein zentrales politisches Zugeständnis innerhalb von Koalitionen, ohne das stabile Regierungsbildungen kaum möglich seien. Minderheitsregierungen hält Hoffmann für Deutschland nicht praktikabel, da politische Mehrheiten dann teuer erkauft werden müssten und internationale Handlungsfähigkeit leide.
Zum Thema Corona beschreibt Hoffmann die Pandemie als historische Ausnahmesituation mit widersprüchlichen Experteneinschätzungen. Die Politik habe sich bewusst für den sichereren Weg entschieden und schnell Liquidität bereitgestellt, um wirtschaftliche Existenzen zu sichern. Dass diese Hilfen später abgerechnet werden mussten, sei aus rechtsstaatlichen Gründen unvermeidlich gewesen. Er räumt ein, dass dies besonders diejenigen treffe, die nach der Wiederöffnung hohe Umsätze erzielt hätten, betont jedoch, dass eine vollständig gerechte Lösung im Nachhinein nicht möglich gewesen sei.
Auch die Kritik an der Handwerksordnung greift Hoffmann auf. Die Reform von 2004 bezeichnet er als Fehler, den man politisch zu korrigieren versuche, auch wenn dafür derzeit schwer Mehrheiten zu finden seien. Gleichzeitig weist er auf Probleme durch zunehmende Schwarzarbeit und unkontrollierte Selbstständigkeit hin, die ehrliche, ausbildende Betriebe benachteiligten. Abschließend unterstreicht er, dass Politik oft nur schrittweise handeln könne, bittet jedoch darum, zumindest anzuerkennen, dass ernsthafte Anstrengungen unternommen würden, die Situation des Handwerks zu verbessern.